Se non è vero, è ben trovato
Ein Dutzend Östlerinnen und Östler, 90 Minuten Fussball, ein Schnitzelbänkler und eingefleischter FCSG-Fan (aufgewachsen beim Espenmoos) als Trainer, einige Minuten Nachspielzeit für zusätzliche Specials und am Ende trotz Verlängerung niemand ausser Puste, geschweige denn verschwitzt: Tönt zwar irgendwie schräg, trifft aber den Sommerplausch der Fitnessriege vom 8. Juli 2025 ziemlich genau.
«Aus aktuellem Anlass» hatte Tätschmeister Guido Kesseli (ein herzliches Danke für Idee und Organisation!) die Bankgasse 9 in der St.Galler Altstadt als Treffpunkt angegeben: die Tourist-Info von St.Gallen-Bodensee Tourismus. Vor Ort erwartete als Trainer Stadtführer Jürg Weibel die neugierigen Östlerinnen und Östler zur Fussball-Führung, auf der er spannende Einblicke in die (Frauen-)Fussball- und in die Stadtgeschichte St.Gallens gab. Dass der FCSG mit Gründungsjahr 1879 der älteste Fussballclub auf dem europäischen Festland ist, wussten vermutlich schon vorher (fast) alle. Dass seine Gründung eng mit der Hochblüte der Textilwirtschaft verknüpft ist (Stickereiunternehmer Stoffel brachte die Fussball-Idee nach St.Gallen), war den meisten hingegen wohl ebenso unbekannt wie die Tatsache, dass das erste offiziell dokumentierte Frauenfussballspiel 1895 in England stattfand – 44 Jahre vor dem Pendant in der Schweiz (1939), zehn Jahre nach der Gründung des TVO.
Zwar knurrte dem einen und der anderen schon der Magen, und die Münder wurden trockener und trockener – doch die Erzählungen von Neo-Schnitzelbänkler Weibel («Stadtflüsterer») waren spannender als Durst und Hunger, so dass die wiederholte Frage, ob er auch etwas Nicht-Fussballerisches erzählen solle, ausnahmslos mit Ja beantwortet wurde. Also: Weshalb steht eigentlich ein Porsche unverrückbar im Wohnzimmer der Stadt, als welches Pipilotti Rist den roten Platz konzipierte? Schon damals waren die Parkplätze ein Politikum: Die Künstlerin wollte ein parkplatzfreies Wohnzimmer, der Stadtrat nicht – also parkierte sie den Porsche dort. Das Resultat: Was Piplotti Rist wohl als Mahnmal sah, ist heute nicht nur für Kinder eine Attraktion. Se non è vero, è ben trovato – wenn’s nicht wahr ist, ist’s jedenfalls gut erfunden.
So gingen die 90 Minuten schliesslich wie jede Fussballpartie in die Nachspielzeit, bevor der einsetzende Regen das Östler-Team zur wenig kompetitiven, dafür umso gemütlicheren Verlängerung bei Speis und Trank ins «Züghüsli» trieb. Die dort erzählten und erfundenen Geschichten hat der Chronist nicht mitgeschrieben. «Stadtflüsterer» Weibels Überzeugung, dass sein damaliger Klassenkamerad Hampi «Zwickzwack» Zwicker (nicht etwa Tranquillo Barnetta) das bisher grösste St.Galler Fussball-Talent war, hingegen schon. Darüber liesse sich wohl trefflich streiten.
Iwan Köppel
((Dazu: Bilder von der Führung, fotografiert von Edith Oberholzer))
